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Zalando im medialen Kreuzfeuer

In der letzten Zeit ist Versandhandels-Riese Zalando medial in Kritik geraten. Berichtet wurde unter anderem von schlechten Arbeitsbedingungen, niedrigen Löhnen die unterhalb des Mindesttarifs liegen und ständigen Personalwechseln. Vor allem Mitarbeiter in den Versandzentren und Lagern sollen davon betroffen sein. Dass Zalando darauf lange nicht reagiert hat, war wie Wasser auf die Mühlen der wachsenden Anzahl an Kritikern, die den renommierten Online-Versandhändler an den Pranger gestellt haben.

Vor allem eine vom ZDF gedrehte Dokumentation, der hinter die Kulissen von Anbietern wie Zalando, Amazon oder Dress for Less blicken wollte, hat viel Kopfschütteln hinterlassen. Von Dumping-Löhnen, schlechten Arbeitsbedingungen und sogar von zu kleinen und dreckigen sanitären Anlagen war die Rede. Wir von Lovestylez.de haben die Situation analysiert und möchten einige der von den Medien getätigten Behauptungen näher beleuchten.

Zalando Logistikzentrum

Die Reaktion von Zalando

Bekanntlich folgt auf jede Aktion auch eine Reaktion. So geschehen bei Zalando. Denn mittlerweile hat der renommierte Online-Versandhändler nicht nur den Stundenlohn für seine Mitarbeiter auf 8,79 Euro die Stunde angehoben, sondern auch Journalisten in die drei Logistikzentren eingeladen. Somit kann jeder vom Fernsehen, einer Zeitung oder einem Magazin Zugang zu den Zalando Lagern erhalten, um sich selbst ein Bild von den Arbeitsbedingungen zu machen. Gespräche mit den Angestellten sind da natürlich auch möglich. Zu Top-Verdienern werden die vielen, teilweise ungelernten Arbeitskräfte bei Zalando deswegen zwar nicht, aber immerhin haben sie einen sicheren Arbeitsplatz und verdienen ein Gehalt. Und das ist schließlich besser, als von Hart IV leben zu müssen. Zumal der Mindestlohn in der Logistikbranche bei 7,50 Euro liegt, Zalando somit sowieso schon über dem Mindesttarif bezahlt.

Zwar zahlt Amazon immer noch etwas mehr an seine Arbeiter als Zalando und bietet ebenfalls Sonderleistungen wie Amazon Gutscheine und dergleichen an, aber mit der Zeit wird es auch beim Anbieter von Schuhen, Taschen und mehr weiter Lohnerhöhungen geben. Was viele Kritiker vielleicht vergessen, ist, dass Zalando erst im Jahre 2008 gegründet wurde und noch gar nicht so lange auf dem Markt ist. Auch wenn nicht zuletzt aufgrund einiger unterhaltsamer Werbespots ein wahrer Boom eingesetzt hat und nahezu jeder schon einmal bei Zalando bestellt hat, ist das Unternehmen momentan noch davon entfernt, auf profitable Weise Geschäfte tätigen zu können. Natürlich spielen da auch die Gehaltskosten eine Rolle im großen Ganzen. Auf Dauer will man aber, so ein Zalando-Sprecher, auf das gleiche Lohnniveau wie beispielsweise Amazon kommen.

Sozialleistungen und Zalando Gutscheine

Nebst der Lohnerhöhung bekommen die Mitarbeiter von Zalando außerdem weitere Leistungen wie eine betriebliche Altersvorsorge, in die für jeden Angestellten und Arbeiter einbezahlt wird. Als zusätzlichen Anreiz für Zalando zu arbeiten, werden die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr übernommen, die für die Mitarbeiter durch die Fahrt von zu Hause zum Arbeitsplatz und retour entstehen. Als Motivationsspritze gibt es obendrauf noch Zalando Bestellgutscheine für jeden der Arbeiter. Bei aller Kritik darf man auch nicht vergessen, dass Zalando im Falle der Versandzentren Brieselang und Erfurt einer der größten Arbeitgeber in der jeweiligen Region ist. An den beiden genannten Standorten arbeiten insgesamt über 2.500 Menschen.

Zalando Gutschein

Zumal Zalando wie schon kurz angerissen vor allem Menschen mit geringer Qualifikation oder dem Hintergrund einer langen Arbeitslosigkeit, die Chance auf einen Job gibt. Da die zu erledigenden Tätigkeiten einfach erlernbar sind, benötigt ein neuer Mitarbeiter rund 2 Wochen um alles Erforderliche zu können. In Brandenburg kooperiert Zalando sogar mit der öffentlichen Arbeitsverwaltung und gibt sehr vielen Arbeitern, die sich bewerben und die zweiwöchige Grundqualifizierung zufriedenstellend durchlaufen, die Chance auf einen Jahresvertrag. Ein Großteil der Einarbeitungskurse findet dabei in Erfurt statt. Diese werden sogar unter Schirmherrschaft des TÜVs veranstaltet und organisiert. Im Schnitt stellt Zalando 50 bis 80 Bewerber ein, von zehn Bewerbern erhalten acht einen Job bei Zalando.

Viele zweifelhafte Vorwürfe

Ein weiterer Punkt, der Zalando vorgeworfen wurde ist, dass die meisten Arbeiter nur mit befristeten Verträgen ausgestattet werden und alle denselben Lohn bekommen. Dabei wird aber wiederum übersehen, dass Zalando in erster Linie aus Kosten- und Flexibilitätsgründen zurückhaltend mit unbefristeten Arbeitsverträgen umgeht. Bestrebungen die befristeten Dienstverhältnisse zu reduzieren gibt es aber. Ebenfalls negativ im Gespräch: die scheinbar hohe Quote an Zeitarbeitern bei Zalando und anderen großen Versandhäusern. Hierzu gibt es sogar ein Statement vom Zalando Geschäftsführer David Schröder selbst, in dem dieser bestätigt, dass der Anteil an Zeitarbeitern bei lediglich 10% liegt. Rechnet man das auf die 2.500 Mitarbeiter runter, die in den zwei der Logistikzentren arbeiten, sind das gerade mal 250 Menschen, die von einer Zeitarbeitsfirma kommen.

Das restliche Personal setzt sich demnach aus Menschen zusammen, die sich entweder selbst beworben haben oder über das Arbeitsamt an Zalando vermittelt worden sind. Zumal an den meisten Orten, an denen Zalando Versandzentren stehen, einige Betriebe Niederlassungen haben, die laut Berichten der Gewerkschaft Ver.di viel eher zu den Sorgenkindern zählen als Zalando. Außerdem hat auch ein Zeitarbeiter, der von Zalando in der Regel für Spitzenzeiten angeworben wird, die Möglichkeit fest angestellt zu werden. Der Stundenlohn bleibt dabei für Leiharbeiter und Stammbelegschaft gleich. Insgesamt also eine faire Haltung von Zalando in Bezug auf die Entlohnung des Personals, da hier gleiches Recht für alle herrscht. Auch der Vorwurf, man würde den Arbeitern verbieten in den einzelnen Versandzentren Betriebsräte zu gründen greift etwas kurz, da laut Zalando Geschäftsführer Schröder kein Verbot für so etwas besteht. Vielmehr hätte Zalando nichts dagegen, wenn die Mitarbeiter Betriebsrate gründen würden. Torpedierungen bei Gründungsversuchen gab es laut Zalando bisher keine.

Zalando Versandzentrum

Klarerweise ist bei derart großen Konzernen, wie Zalando mittlerweile einer ist, nicht immer alles Gold, was glänzt. Letztendlich hat es aber bis dato weder Kündigungswellen seitens des Personals noch Streiks oder Vergleichbares gegeben. Zalando präsentiert sich insgesamt als Arbeitgeber, der bemüht ist seinem Personal einerseits eine gute Anstellung, andererseits auch eine vernünftige Perspektive zu bieten. Trotz befristeter Dienstverhältnisse und im Vergleich mit anderen Branchen mit niedrigem Lohn, lässt sich keineswegs erkennen, dass Arbeiter ausgebeutet oder benachteiligt werden. Das Shoppingerlebnis im Online Shop von Zalando, der ein großzügiges, vielfältiges Sortiment zu bieten hat, soll durch alle diese Dinge aber nicht getrübt werden. Es wäre schließlich schade um die vielen von tausenden von Arbeitern.

Über Daniel

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